Der Umgang mit fleissigen Staatsbürgern am Beispiel der Erwerbsminderungsrente

Erwerbsminderungsrente erhält nur, wer vorher gearbeitet hat. Es sind also nicht die Faulen, um die es geht. Es sind die Fleissigen, die krank wurden.

Wie geht unser Staat nun damit um?

Er hat Hürden aufgebaut, die fast unüberwindbar sind. Das Überwinden kostet oft so viel Kraft, daß man zum Schluß keine Kraft mehr hat.

1. Man muß in den letzten 5 Jahren mindestens drei Jahre sozialversichert gewesen sein, um diese Rente beantragen zu können. Wer z.B. vor sieben Jahren krank wurde, sich noch irgendwie über Wasser hielt auch ohne Job und die letzten drei Jahre nicht mehr sozialversichert war, ist raus, selbst wenn er/sie vorher 15 oder 20 Jahre sozialversichert war.

2. Man muß durch die Mühlen der Gutachter, die mit dem abstrakten Verweis arbeiten und oft genug immer noch versuchen aus Kranken Gesunde machen,

3. Wer diese Tortur überstanden hat und so krank erkannt ist, daß er/sie nun wirklich nicht mehr arbeiten kann, der wird bestraft. In einer aktuellen Chronologie mit den Änderungen des Jahres 2007 der Agenda 2010 wird das so zusammengefaßt: „Erwerbsminderungsrente: Anhebung der Altersgrenze für den abschlagsfreien Bezug einer Rente wegen verminderter Erwerbsfähigkeit von bislang 63 Jahren (vollendetes 63. Lebensjahr) auf 65 Jahre. Wird eine Erwerbsminderungsrente vor dem vollendeten 65.Lebensjahr in Anspruch genommen, fallen Abschläge an. Die maximale Abschlagshöhe liegt bei 10,8% (3×3,6%). Der Höchstabschlag fällt an , wenn der Beginn der Renten vor dem vollendeten 62. Lebensjahr(bislang 60. Lebensjahr) liegt. Für erwerbsgeminderte Versicherte mit 35 Pflichtbeitragsjahren verbleibt es bei dem heute geltenden abschlagsfreien Alter von 63 Jahren. Ab 2024 gilt dies dann nur noch für erwerbsgeminderte Versicherte, die 40 Pflichtbeitragsjahre nachweisen können. Als Pflichtbeitragszeiten gelten grundsätzlich dieselben Zeiten wie bei der Altersrente für besonders langjährig Versicherte.“

Da man ja die Rente nicht erst nach 40 Pflichtbeitragsjahren erhält sondern früher werden politisch gewollt von der Rente einfach mal so 10,8% dauerhaft lebenslänglich abgezogen. Und wer studiert hat, der darf sich doppelt freuen, weil ja die drei Jahre bis zum Abitur und die 5 Jahre des Studiums bei der Rentenhöhe auch nicht mehr rentensteigernd gelten und dies aber erst 20 Jahre nach dem Studium so verändert wurde.

Und jetzt wird es noch besser. Wir schreiben das Jahr 2018. Nun ändert sich etwas für Erwerbsminderungsrenten. Das bmas schreibt dazu:

„Bereits das Rentenpaket 2014 brachte merkliche Verbesserungen bei der Absicherung des Erwerbsminderungsrisikos. Wer zum Beispiel ab dem 45. Lebensjahr aus gesundheitlichen Gründen nur noch teilweise oder gar nicht mehr erwerbstätig sein kann, wird aktuell bei der Höhe der teilweisen oder vollen Erwerbsminderungsrente so gestellt, als habe er bis zum Alter von 62 mit dem bis zur Erwerbsminderung erzielten durchschnittlichen Einkommen weitergearbeitet. Diese sogenannte Zurechnungszeit wurde 2014 von 60 auf 62 Jahre erhöht. Nun wird die Zurechnungszeit schrittweise um drei Jahre auf das Alter 65 verlängert.

Die Erhöhung beginnt mit dem Jahr 2018 und wird im Jahr 2024 abgeschlossen sein. Insgesamt bedeutet dies langfristig eine deutliche Erhöhung der Rentenansprüche für Neurentnerinnen und -rentner im Falle der Erwerbsminderung.“

Man erhält mehr aber davon werden wiederum ca. 10,8% abgezogen. Von mehr wird mehr abgezogen. Merken Sie den Fehler? Und noch besser ist, daß es nur für Neuanträge gilt.Wer eine Rente hat muß weiter arm bleiben dank der Agenda 2010.

So geht die Politik mit Menschen um, die sozialversicherungspflichtig als Steuerzahler hier gearbeitet haben und krank wurden. Mittlerweile immerhin eine Gruppe von über 2 Millionen erwachsenen Staatsbürgern.

So etwas würde in den europäischen Ländern um uns herum mit fleissigen Staatsbürgern nicht geschehen. Und bei Beamten in Deutschland geschieht dies sowieso nicht. Ronny ist Beamter und 34 Jahre alt. Er hat ein Burnout und erhält im 4. Jahr seiner Krankheit 1800 Euro Ruhegehalt. So viel zum Thema. Und Boris Palmer von den Grünen hat genau diese Fragen der Überprivilergierung von Beamten gerade aufgeworfen:

Die Staatsdiener genießen noch andere teure Privilegien:

► LOHNFORTZAHLUNG

Auch bei langer Krankheit zahlt der Dienstherr das Gehalt weiter. Andere Arbeitnehmer erhalten nach sechs Wochen nur noch Krankengeld (70 % vom Brutto) – maximal 78 Wochen lang.

► KINDERGELD

Beamte bekommen zum normalen Kindergeld noch Familienzuschläge: Für das erste und zweite Kind zahlt der Bund z. B. jeweils 118,97 Euro, ab dem dritten sogar 370,69 Euro extra!

► PENSION

Bei Angestellten richtet sich der Rentenanspruch nach dem im gesamten Arbeitsleben erarbeiteten Lohn, bei Beamten nach der letzten Besoldungsstufe. Höchstpension nach 40 Dienstjahren: 71,75 Prozent vom letzten Gehalt. Folge: Die Durchschnitts-Pension von Bundesbeamten betrug laut Statistischem Bundesamt 3030 Euro und von Beamtinnen 2420 Euro. Die durchschnittliche gesetzliche Altersrente lag 2016 hingegen bei 1096 Euro (Frauen: 665 Euro).“

Wenn ich dies nun in die aktuellen Debatten um Asylanten und ihre materielle Gleichsetzung mit Einheimischen, die viele Jahre in die Sozialversicherung eingezahlt habe, verknüpfe, dann brennt die Lunte.

Deshalb ist der Artikel hier zu Ende.

 

 

Schreibe einen Kommentar

Pflichtfelder sind mit * markiert.