Die Rentenreform – letzte Chance bevor eine neue Partei jedem Armen 500 Euro mehr garantiert

Knapp eine Woche nach Seehofers Analyse des Scheiterns des Neoliberalismus in Deutschland kündigt Frau Nahles von der SPD eine umfassende Rentenreform an.

Interessant ist, daß alle jetzt den Satz im Mund haben, „wer 40 Jahre voll gearbeitet hat, der soll mehr als die Grundsicherung erhalten.“

Wenn dies das Rentenkonzept ist, dann geht es voll in die Hose.

  • Denn gerade die letzten zehn Jahre mit Zeitarbeit und Hartz 4 in Deutschland haben doch die Arbeitsplätze verschwinden lassen, so daß 40 Jahre zunehmend utopisch werden. In den letzten Jahren haben immer mehr Rentenzugänge gerade einmal 30 volle Jahre erreicht: „Danach hatten Männer, die 2012 in die sogenannte Regelaltersrente gegangen sind, im Schnitt nur noch 29,6 (Ost: 38,1) Versicherungsjahre auf dem Rentenkonto. Das waren 3,7 (3) Jahre weniger als im Vorjahr. Das wiederum war der größte Rückgang seit Jahrzehnten. Frauen hatten sogar nur 18 (Ost: 34,5) Versicherungsjahre auf dem Konto. Das waren 1,6 (3,9) Jahre weniger als im Vorjahr.“
  • Hinzu kommt die Kürzung der Rente durch vorzeitigen Rentenbezug.
    2014 hatten 10,9 Mio. Rentner weniger als 950€ Rente brutto p.M., 8,4 Mio. weniger als 750€ p.M. Von 823631 neuen Altersrenten lag 2014 mehr als die Hälfte, 53%, unter 750€ pro Monat. Wer zehn Prozent und mehr wegen „vorzeitigem“ Rentenbezug dann davon noch lebenslang abgezogen bekommt, weil er/sie in Hartz4 war(!), der kann gar nicht mehr davon leben. Das muß weg, weil es die Arbeitsplätze ja nicht gibt oder die Politik macht Gesetze, die Arbeitsplätze für über 50jährige sozialversichert garantiert und wie in den nordischen Ländern die Urlaubstage über 60 verdoppelt.
  • Und wer die Verarmungsregel von Hartz 4 weiterführt, dem wird sowieso nicht mehr geglaubt.

Wer diese wenige Kernpunkte außer acht läßt macht eine Mogelpackung auf, die nur eins erreicht. Es wird eine Partei wachsen, die jedem, der 30 Jahre Beitragszeiten hat und nicht genug zum Leben bekommt, eine Erhöhung von 500 Euro pro Monat verspricht. Und das mit Recht.

Da dies dann immer noch weit unter den Privilegiensätzen von Beamten und anderen liegt und gerade mal zur Teilhabe am gesellschaftlichen Leben reicht, ist dies sehr real, zumal es brutto ist und damit der Staat auch wieder Beiträge erhält.

Denn ein Staat, der seine Bevölkerung in die systematische Verarmung schickt, wird nicht überleben. Vielleicht will deshalb die CDU die Bundeswehr im Inneren einsetzen so wie in der Weimarer Republik.

Selbst die Diakonie fordert eine Rente über der Grundsicherung für jeden, der 30 Jahre sozialversichert gearbeitet hat. Das sind ja keine Dummen sondern Menschen mitten aus dem Leben.

Und wie man das alles macht ohne daß es in der Gesellschaft zwischen alt und jung kracht, ist auch schon richtig gut ausgearbeitet worden.

Nun kommt es darauf an, ob die Regierenden etwas für die Jungen und die Alten machen oder es bei leeren Worten belassen.

2 Kommentare » Schreibe einen Kommentar

  1. Am 17.04.2016 hat Hannelore Kraft von der SPD bei Anne Will erstmalig deutlich gemacht, daß die SPD aus ihren Fehlern lernen will. Weil die in der Agenda 2010 aufgebauten drei Säulen nicht klappen, muß für die, die nun in Rente gehen, ein Ausgleich im staatlichen Bereich gefunden werden. Hinzu kommt die Tatsache, daß durch die Zeitarbeit und die Befristungen prekäre Beschäftigung sich fast verdoppelt hat und die Minijobs quasi explodiert sind. Sie will da echt was gegen tun. Warten wir ab, ob die, die nächstes Jahr mit gut 30 Jahren Beitragszahlung in Rente gehen, wirklich davon leben können über Hartz 4. Dann wächst neues Vertrauen.

  2. Die SPD bleibt bei der asozialen Linie. Eine Woche nach Frau Kraft verkündet Andrea Nahles, dass eine Lebensleistungsrente nur gezahlt wird, wenn man keinen Partner hat, der auch Geld hat. Nur wer arm ist und im Alter allein lebt soll diese Lebensleistungsrente erhalten. Wie arm im Geiste und krank in der Seele müssen Menschen sein, die sich so etwas ausdenken!

Schreibe einen Kommentar

Pflichtfelder sind mit * markiert.